Tuesday, December 31, 2013

Love, Glamour & Erotics from Berlin!!! ♥

STYLE! IT! TAKES! wishes everybody a wonderful & happy NEW YEAR!!!
Love, Glamour & Erotics from Berlin!!!

We all see & celebrate on 17th January @ Urban Spree for STYLE! IT! TAKES! # 4 - Cheers, Lovelies!!!

♥♥♥ Yours truly, 31st December 2013


photo: Marlene von Steenvag @ STYLE! IT! TAKES! # 2 (18. Januar 2013, Grüner Salon der Volksbühne) by Atelier 'et Lux'

Tuesday, December 24, 2013

Willkommen zurück, PUSSY RIOT!

Teil I der Artikel-Serie zu STYLE! IT! TAKES! #4 mit dem Thema "Re-Thinking PUNK!":

REBELLION

Zur Freilassung von Nadeschda Tolokonnikowa und Marija Aljochina, inhaftierte Mitglieder der russischen Punk-Band PUSSY RIOT


Nadeschda Tolokonnikowa von der russischen Punk-Riot-Grrrl-Gruppe PUSSY RIOT 

Die ästhetische, politische und gesellschaftliche Rebellion gegen zeitgenössische Ordnungen und Verhältnisse ist ein Element, das der PUNK-Kultur schon von Anbeginn an eingeschrieben war. Allerdings neigte diese Rebellion über die Jahrzehnte vor allem ästhetisch, zum Teil auch inhaltlich dazu, selbst zu erstarren und einzufrieren. Umso erstaunlicher, dass es auch heutzutage gelingen kann, mit 'punkigen' Ansätzen authentisches Unbehagen, gar revolutionäre Ungeduld und Unmittelbarkeit auszudrücken und damit längst vergessen geglaubte Zustände wie Skandal & Schock auszulösen und/oder einen Aufruhr zu starten, kurz: eine ganze Menge produktiven Ärger zu verursachen.

Das aus ungefähr zehn jungen Frauen bestehende feministische Punk-Kollektiv PUSSY RIOT aus Moskau hat in den letzten beiden Jahren mit ihren Performances, Texten, Videos und Aktionen nicht nur der eingerostet wirkenden Punk-Kultur eine Frischluftkur verpasst - sie hat mehr noch die russische Gesellschaft erschüttert und gespalten, die Verlogenheit und Machtzerstricktheit der russisch-orthodoxen Kirche und ihres Patriarchen Kyrill I. entblößt und schließlich sogar den mächtigen Langzeitpräsidenten Wladimir Putin national und international in Verlegenheit gebracht.

PUSSY RIOT

Innerhalb der immer mehr auf Schwarz und Camouflage, Leder-Jacken und -Stiefel, Kapuzenpullis und -Jacken festgefahrenen und schon lange männlich dominierten Punk-Szene wie auch in der Protest-, Pop- und Alltagskultur allgemein setzte das Riot Grrrl-Kollektiv auch ein signifikantes Fashion-Statement mit ihren markanten, aus bunten Strick- und Strumpfmasken, quietschbunten Kleidern und Strumpfhosen kombinierten, mädchenhaft-zerbrechlich wie gleichzeitig fröhlich-krawalligen Outfits.

Seit Oktober 2011 intervenierten PUSSY RIOT mit Aktionen und Performances auf öffentlichen Plätzen und im Internet kritisch in die russischen Präsidentschaftswahlen und nahmen den korrupten Macho-Präsidenten Putin ins Visier. Mit einer nicht einmal einminütigen Performance in der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale am 21. Februar 2012 rebellierten PUSSY RIOT dann nachdrücklich gegen die unselige, unterdrückerische Allianz von Kirche und Staat (eine deutsche Übersetzung des Textes befindet sich weiter unten) und fügten der langen Geschichte künstlerisch-revolutionärer Interventionen von Dada über die Situationistische Internationale zu Punk (und darüber hinaus) ein neues, atemberaubendes Kapitel hinzu, das Russland für immer verändern wird.


Ihr "Punk-Gebet" definierte den state of the art des Punk im Jahre 2012:

video


Drei Mitglieder von PUSSY RIOT, Nadeschda Tolokonnikowa, Marija Aljochina und Jekaterina Samuzewitsch, wurden anschließend verhaftet und Anklage wegen grober Verletzung der Öffentlichen Ordnung erhoben. Am 17. August 2012 wurden sie unter großen internationalen Protesten wegen „Rowdytums aus religiösem Hass“ schuldig gesprochen und zu zwei Jahren Lagerhaft (!) verurteilt. In ihrem Schlussplädoyer erklärte Jekaterina Samuzewitsch:

„Normalerweise wird erwartet, dass Angeklagte im Schlusswort Reue zeigen, die begangene Tat bedauern oder mildernde Umstände aufzählen. Bei mir und bei meinen Kolleginnen ist das absolut unnötig. […] Wieder einmal sieht Russland in den Augen der Weltgemeinschaft anders aus, als Wladimir Putin es bei seinen täglichen internationalen Begegnungen darstellen möchte. Alle von ihm versprochenen Schritte auf dem Weg zum Rechtsstaat sind ganz offenkundig nicht vollzogen worden.“

Im Berufungsverfahren wurde Jekaterinas Strafe in eine Bewährungsstrafe umgewandelt, sie wurde im Oktober 2012 entlassen, da ihr keine konkrete Tatbeteiligung nachgewiesen werden konnte. Nadeschda und Marija mussten in Straflager, u. a. in Mordwinien und Sibirien, wo sie nicht zuletzt aufgrund menschenunwürdigster Haftbedingungen zwischenzeitlich in den Hungerstreik traten.


 
Nadeschda Tolokonnikowa & Marija Aljochina 

Marija Aljochina erklärte noch vor der Urteilsverkündung:

"Nachdem ich fast ein halbes Jahr im Untersuchungsgefängnis verbracht habe, ist mir klargeworden, dass das Gefängnis Russland im Miniaturmaßstab ist."

Die Nachricht vom Punk-Gebet von Moskau ging währenddessen wie einst der Pariser Mai 1968 um die ganze Welt. Unter der Parole "Free Pussy Riot" fanden in Russland und weltweit Solidaritätsbekundungen und Aktionen auf Straßen, vor und in Kirchen, in Konzertsälen und Parlamenten statt. Stars wie Madonna oder die Riot Grrrls von Bikini Kill erklärten sich ebenso solidarisch wie Schauspieler*innen, Künstler*innen, die russische Schönheitskönigin 2013 oder Amnesty International, die Nadeschda und Marija als politische Gefangene einstuften.

Am 23. Dezember wurden Nadeschda und Marija schließlich im Rahmen einer von Präsident Putin erlassenen Amnestie Gefangener im Vorfeld der aufgrund der katastrophalen Menschenrechtslage in Russland äußerst umstrittenen Olympischen Spiele in Sotschi kommenden Februar etwa 3 Monate vorzeitig entlassen.

Am Tag der Freilassung: Marija Aljochina (links) und Nadeschda Tolokonnikowa (rechts)
 

Nach ihrer Freilassung bezeichnete Nadeschda Russland als "Strafkolonie". Marija analysierte die Amnestie von ungefähr 1500 Häftlingen im Einklang mit internationalen Beobachter*innen als "PR-Gag" Putins, um Kritik an seiner menschenrechtsverletzenden Politik vor den Olympischen Spielen abzufedern und gute Stimmung zu machen, während immernoch fast 700.000 (!) Gefangene auf Grundlage häufig fragwürdiger Gerichtsverfahren und unter oft übelsten Haftbedingungen in russischen Gefängnissen inhaftiert bleiben.


Es ist offenkundig, dass der aufrührerische Einsatz und mutige Kampf gegen den russischen Nationalismus und die starke russische Rechte, gegen die korrupte russische Politik und die Heuchelei der Kirche, für das Recht auf Abtreibung und für sexuelle Selbstbestimmung, für Frauen-, LGBTQ- und Menschenrechte und die Rechte von Häftlingen und Gefangenen, für Meinungs- und Pressefreiheit in Putins Russland, den PUSSY RIOT vor zwei Jahren begonnen haben, weitergehen wird und muss. Die 25jährige Marija erklärte nach ihrer Freilassung: "Glauben Sie mir, ich habe vor nichts mehr Angst." Und die 24jährige Nadeschda rief: "Russland ohne Putin!"

Das Punk-Gebet von PUSSY RIOT bleibt also hochaktuell, der Sturz Putins und der Kampf für ein neues Russland stehen weiterhin auf der Tagesordnung. Daher tun wir gut daran, uns noch einmal an den großartigen Text und die damit verbundenen Inhalte zu erinnern, die im medialen, popkulturellen und Freilassungs-Kampagnen-Hype in den Hintergrund geraten sind und fälschlicherweise in Vergessenheit zu geraten drohen. Wiederholen wir diese wahren, treffenden und mutigen Worte solange öffentlich und laut, bis sie ihre Schuldigkeit getan haben... 

Hier also zum Nachsprechen & Mitsingen, das

Punk-Gebet von PUSSY RIOT

"Mutter Gottes, du Jungfrau, vertreibe Putin!
Vertreibe Putin, vertreibe Putin! Schwarzer Priesterrock, goldene Schulterklappen -
Alle Pfarrkinder kriechen zur Verbeugung
Das Gespenst der Freiheit im Himmel
Homosexuelle werden in Ketten nach Sibirien geschickt.
Der KGB-Chef ist euer oberster Heiliger,
Er steckt die Demonstranten ins Gefängnis.
Um den Heiligsten nicht zu betrüben
Müssen Frauen gebären und lieben.
Göttlicher Dreck, Dreck, Dreck! Göttlicher Dreck, Dreck, Dreck!
Mutter Gottes, du Jungfrau, werde Feministin,
Werde Feministin, werde Feministin!
Kirchlicher Lobgesang für die verfaulten Führer -
Kreuzzug aus schwarzen Limousinen.
In die Schule kommt der Pfarrer,
Geh zum Unterricht - bring ihm Geld.
Der Patriarch glaubt an Putin.
Besser sollte er, der Hund, an Gott glauben.
Der Gürtel der Seligen Jungfrau ersetzt keine Demonstrationen -
Die Jungfrau Maria ist bei den Protesten mit uns!
Mutter Gottes, du Jungfrau, vertreibe Putin!
Vertreibe Putin, vertreibe Putin!" 

[Übersetzung: dpa]


RUSSLAND OHNE PUTIN!

BOYKOTT DER OLYMPISCHEN SPIELE IN SOTCHI!

PRESSE- & MEINUNGSFREIHEIT!

FÜR DAS RECHT AUF ABTREIBUNG!

FÜR DIE SEXUELLE SELBSTBESTIMMUNG UND DIE RECHTE VON LESBEN, SCHWULEN, BI-SEXUELLEN, TRANSGENDERN, QUEERS IN RUSSLAND!

LET'S START A PUSSY RIOT!


Solidaritäts-Aktion der Kompanie "27 Dance Monkeys" auf dem Berliner Gendarmenmarkt



Weitere Teile dieser Serie zu STYLE! IT! TAKES! # 4 (Re-Thinking PUNK!):

Re-Thinking PUNK! (Introduction)

Thursday, December 12, 2013

STYLE! IT! TAKES! # 4 - Re-Thinking PUNK! (Introduction)

~ Though no one can go back and make a
brand new start. Anyone can start from
now and make a brand new ending. ~
William S. Burroughs
DEVO at the Berlin Wall, 1978 (photo by Chalkie Davies)


After our wonderful summer dream in the fairy-tale-like garden of Chalet Club in Kreuzberg during July Fashion Week, the next STYLE! IT! TAKES! event will again happen for next Berlin Fashion Week on 17th of January 2014 at Urban Spree, a very active and inventious place we feel super comfortable with. Certainly, we will keep a lot of our ideas and principles, like our basic concept of bringing fashion alive by combining amazing designs with performances of musicians, DJs, dancers, gymnasts and other artists / performers or our passionate tendency towards girlisms and femininities in all aspects of life, to name just two of them (> please read our Manifesto for some very fundamental statements about our project). Especially for this event however, another special concept and character will take shape! So, what comes next?

Our idea was: Why not think back to where many things started not only for me, but for a lot of our beloved artists, designers, fans and audience – why not think back to PUNK!!!

"Frankfurt, 1982: Flip, Natalie (?), Ratte und Ratze. Die Jacke im Vordergrund ist Volker."

Punk? Thinking? Wasn’t Punk movement this loud and noisy subculture, consisting of people with strange multi-coloured, gummed up hairstyles, self-painted leather jackets with buttons and spikes on it and safety pins through the cheeks, ugly heavy army boots and tons of cheap beer cans poured into the thirsty mouths of alcoholics, thrown onto others or puked inside and outside of trashy rotten rat holes in some littered backyards or while hanging around in pedestrian zones? Maybe.
And what’s all this got to do with fashion? A lot. Or as much as Coco Chanel’s idea to create easy to wear simple women’s clothing out of the striped looks of the sailors they have been inspired by - and somehow stolen from. Unlike most of the punks she got very rich with that.

Over the years tons of books have been published about Punk, so we won’t try to repeat or summarize here what a lot of very different authors wrote in very different types and qualities of books. In the meantime, the bourgeois feuilleton discovered Punk and this spring celebrities were queuing to show their rotten interest for the large New York Metropolitan Museum of Art’s exhibition  “Punk: Chaos to Couture”. It’s very likely that some of them will never understand what Punk really could mean. As has been mentioned elsewhere before, taste-queen Madonna was one of very few who attended in style.

  
Madonna at the opening gala of the exhibition "PUNK: Chaos to Couture" (NYC, May 2013)

But all this is not what is of interest to us here. Seeing Punk as an idea, an impulse, an outcry, a disorder, a permanent experiment, a rebellion, a situation, a change, a challenge, a chance, we want to ask: What could Punk be today?

We know that billions of Punk bands, projects, labels, fanzines etc. are existing nowadays all over the world (maybe more than ever in history) and this is something great we appreciate very much. But often one gets the impression that Punk became a cliché in itself: repeating the same old band concepts (four male friends are the most standard way of this), making the same guitar-orientated heavy one-two-three-Rock-music with one person shouting their beliefs into the world, playing in a cellar club isolated from the rest of society, drinking beer and wearing the same or a similar kind of ‘fashion’ their predecessors wore 30 years ago and before... all of which is not necessarily a bad thing!!! :-)

But that’s not what made Punk such an important thing in many of our lives. And it’s not how colourful, diverse and widespread Punk has been during its early days from the mid-1970s to the beginning of the 80s, let’s say. Women started to enter the stage of white Rock’n’Roll history (Maureen Tucker, the gorgeous drummer of Velvet Underground, shouldn’t be overlooked as an early pioneer of the mid-1960s in this context), people using uncommon instruments like saxophones or children’s toys, wearing very very different styles of fashion, singing about very different topics (if singing at all!!!), reading Dada poems or simply going on stage without any plan at all, using new technologies and instruments like keyboards or metal objects from construction sites, colliding with completely different music styles like Reggae, Pop, Soul, Industrial, (Free) Jazz, Disco, Rap, Metal, Schlager, with other art forms like film, performance or theatre, doing whatever... nothing was foreseeable, nothing had to be perfect, but everything was possible. That’s the spirit we like about Punk.

           
Patti Smith, one of the first great American punks and the first relevant female band leader in Rock History (Patti Smith Group). Right picture by Robert Mapplethorpe for the Horses-Album (1975)


   
X-Ray Spex live 1977: singer Poly Styrene (left, right & below) * Legendary Lora Logic playing saxophone




“Some people say, little girls should be seen and not heard.
But I think: ‘Oh bondage, up yours!‘”

Poly Styrene, X-Ray Spex

Debbie Harry, singer of US-Punk-pioneer group Blondie, in three very different outfits ca. 1977/78

 

The Bromley Contingent, the great & creative Sex Pistols-Fan-Club

Soo Catwoman, Jordan, Siouxsie Sioux & Debbie Juvenile (ca. 1976/77)

Mania D, die erste deutsche All-Girl-Experimental-Punk-Band, hier Gudrun Gut, Karin Luner, Bettina Köster (Berlin Sept 1979, aus dem Super-8-Film „Fashion Interlection“). Gudrun Gut und Bettina Köster unterhielten mit Eisengrau sogar ein eigenes Mode-Label (das Styling kam von Schlagzeugerin Karin Luner, die mit Claudia Skoda auch an den Outfits mitwirkte).


Needless to say that most of this (still) collides totally with both the music, the art and the fashion world today, where on the one hand everything is possible (= buyable), but not much is of any importance and relevance.

So for STYLE! IT! TAKES! # 4 we picked five very general PUNK ELEMENTS which still seem interesting to us:

  • Visibility & Transparency (Shields, Holes, Nets & Cuts)
  • Rebellion
  • DIY (Do It Yourself)
  • Androgyny / Fetish / Queerness
  • Recycling & Bricolage

We are searching for some answers to the following questions:

* What could these elements mean today and into what could they possibly have developed?
* Where could we find these elements nowadays? How do they show up?
* Which current references can be made? Do new visions appear?
* How could we re-interpret and develop some of these Punk elements into something more modern, new and contemporary or vary these elements in uncommon ways, forms and combinations?

We will re-look at all this in a little series of blog posts here over the next weeks, re-thinking Punk while referring to and introducing some of our lovely participants and friends. Keep connected by following this blog!


STYLE! IT! TAKES! # 4
Night of Fashion, Performances, Arts & Music
- Re-Thinking PUNK! -
feat. Schen, Näd Mika, Clea Cutthroat and many many others
Berlin Fashion Week - Fr 17thJanuary 2014
21.30 - 5.00 h

URBAN SPREE
Revaler Str. 99 (x Warschauer Str.)
10245 Berlin-Friedrichshain

S + U 1Warschauer Str.

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